Anton Proksch Institut schwer verschuldet

(Wien, im Juli 2011) Das Anton Proksch-Institut für Suchtkranke leidet selbst an einer Sucht: Möglicherweise ist es Verschwendungssucht oder Großmannssucht.

Fakt ist, und das zeigt am heutigen Tag die Wiener Tageszeitung „Die Presse“ auf (29. Juli 2011, S. 9), dass das Therapie-Institut „10 Millionen Euro Schulden“ hat. Dieser Batzen Geld stammt aus einem Kredit, den man 2010 aufgenommen hat. Über die Begründung gibt es unterschiedliche Meinungen.

Managementfehler

Die Gewerkschaft spricht von „Managementfehlern“, die Manager, allen voran Michael Musalek, der Institutschef und seine Verwaltungsdirektorin Gabriele Gottwald-Nathaniel sprechen von explodierenden Personalkosten. So laufen „83 %“ der Gesamtjahreskosten des Instituts in Personalkosten. Bis vor Kurzem gab es Dienstverträge wie bei Journalisten mit Biennalsprüngen alle zwei Jahre. Daher hat Direktor Musalek, der sein Institut mit öffentlichen Geldern von der Krankenkasse bewirtschaftet, alle 250 Mitarbeiter in ein neues Dienstrecht verlagert, das nun nach dem BAGS-Kollektivvertrag läuft. BAGS steht für „Berufsvereinigung von Arbeitgebern für Gesundheits- und Sozialberufe“. Die Biennalsprünge als Privilegiensumpf längst vergangener Tage wurden damit abgeschafft.

Laut API-Direktor Musalek schmelzen die Löhne und Gehälter aller 250 Mitarbeiter damit um 5 %. Laut Angaben der Gewerkschaft beträgt die Kürzung bis zu 12 %. Alles geschieht auf hohem Niveau. Es muss nicht befürchtet werden muss, dass jemand auf die Straße zum Betteln geschickt wird, weil er seine Lebenskosten nicht mehr begleichen kann.

Großmannssucht

Fakt ist: Das Anton Proksch Institut wirbt damit, dass man „Europas größte Suchtklinik“ ist. Es scheint, dass man von der Großmannssucht gepackt wurde. Denn es wurden Projekte geplant, deren Planung bezahlt, deren Realisierung aber nicht vollendet. Das riss ab 2009 Löcher in die Kassen.

Üblicherweise dringt aus dem verschlungenen Reich des Gesundheitswesens nie etwas nach Außen. Es werden nur Erfolge gefeiert. Ein glatter Misserfolg war aber die Planung für ein Drogenzentrum in der Wiener Breitenfurterstraße. Die Planung allein kostete „viel Geld“ (laut API), für die Realisierung hätten die Bundesländer Wien und NÖ mitzahlen sollen, was diese nicht wollten. Das Projekt ist gestorben.

Zudem hat man im API-Institut viel Zeit und Geld in den Ausbau einer „Frauenabteilung“ und in eine „Burn Out“-Abteilung gelegt. Auch in die EDV habe man großzügigst investiert. Nun beklagt man sich, dass die Beträge der Krankenversicherungen nicht stiegen. 2009 war das Institut so gut wie Pleite und von der Zahlungsunfähigkeit bedroht. Ende 2010 stellte man die Mitarbeiter vor „vollendete Tatsachen“, dass sie mit der Lohnkürzung und der Übernahme in die neuen Kollektivverträge an der Sanierung des expansionsfreudigen Instituts mithelfen müssen. Die Gewerkschaft wiederum kritisiert, dass außer Lohnkürzungen kein Sanierungskonzept vorliegt.

2010 nahm man den Kredit in der Höhe von 10 Millionen Euro auf. Bonität hat man offenbar noch. Bei welcher Bank ist nicht bekannt. Da Namenspatron Anton Proksch ein SPÖ-Lokalpolitiker war, ist anzunehmen, bei der BAWAG. Bei einer Jahresverzinsung von 12 % (bei Laufzeit 15 Jahre) zahlt das API-Institut dann gut und gern 150.000 Euro pro Jahr alleine an Zinsen, um in der Expansionssucht nicht zu ertrinken. Weil man „Europas größtes Suchtzentrum“ sein will.

Marcus J. Oswald (Ressort: Therapiestationen)

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