Hanfmesse 2010 mit Howard Marks – Eigentlich ein Skandal

Hanfmesse 2010 eröffnet in zwei Wochen. (Foto: Flyer)

(Wien, im Oktober 2010) Blättert man in Suchtgiftakten, was der Herausgeber dieser Seiten (Blaulicht-Verbund) illegalerweise und durch wohlwollendes Wegschauen gewisser Leute oft tut, sieht man eines und das ist nicht wegzudiskutieren: Diejenigen, die – sagen wir – 2009 Heroin in Papiertüten „rauchen“ und den Stoff von Heroindealern beziehen, geben in ihren Polizeieinvernahmen an, dass sie vor drei Jahren mit dem Cannabis-Rauchen anfingen. Das brachte es dann nicht mehr oder entfachte keine „Wirkung“ mehr und dann stiegen sie um auf „Heroin rauchen“ oder „Heroin sniffen“.

Insoweit haben die Liberalisierungs-Propheten schon Recht, die meinen, dass ein Klassiker nicht zum anderen Klassiker führen muss. Also Haschisch Rauchen zu Heroin Spritzen. Nur gibt es Zwischenstufen und diese lauten: Haschisch Rauschen führt zu Heroin Rauchen. Und damit ist man mitten in der Schwerkriminalität.

Zehn Strafverhandlungen täglich in Wien

Es ist nicht einfach eine Suchtgift-Webseite zu machen, die sich das Ziel setzt, das Gift nicht zu verherrlichen, wie das zahlreiche andere Seiten tun. Es ist Fakt, dass es in Österreich ein umfassendes Suchtmittelgesetz gibt. Es ist Fakt, dass täglich am Straflandesgericht Wien durchschnittlich zehn Straffälle verhandelt werden. Es ist Fakt, dass fast alle zu Verurteilungen führen. Damit entstehen schwer beschädigte Biografien mit einer Fülle von Vorstrafen. Konsequenz: Dauerhafte Arbeitslosigkeit und der Strudel nach Unten.

Giftler geben meistens dem Suchtgift die Schuld. Das mag sein und ist eine einfache wie kurzsichtige Erklärung. Hardcore-Konsumenten und Dealer unterscheiden sich von Einmal-Konsumenten, die das einmal ausprobieren und dann sein lassen. Gute Richter erkennen die feine Nuance in der Betrachtung. Solche Richter wissen aus jahrelanger Betrachtung der Falllagen rund ums Suchtgift, dass die Konsequenz der Droge das Sozialamt ist. Und dort stehen schon in Wien 100.000 in der Schlange. Der Grat vom Einmal-Konsumenten zum Dauer-Konsumenten zum Dealer ist schmal und wird irgendwann nicht mehr subjektiv beherrschbar. Gefängnisaufenthalte, langjährige Therapien isolieren diejenigen vom Rest der Gesellschaft, verhindern soziales Fortkommen am legalen Weg, weil der Strudel der Illegalität nach unten zieht. Schuld daran ist aber nicht das Gesetz, sondern die mangelnde Selbstbeherrschung derjenigen, die Finger von Drogen nicht lassen wollen. Wer das nicht erkennt, dem ist wenig zu helfen.

Leistungsschau für Hanf

Nun gibt es zum dritten Mal die „Hanfmesse“. Man kann die Messe nicht verbieten. Dass sich dort die Propagandisten der Liberalisierungs-Szene umtun, ist klar. Wo ein Ausstatter-Markt für Hanf, soll es auch eine Messe geben. Wo ein Markt, ist der Marktplatz. Man bewegt sich allerdings auf sehr dünnem Eis.

Auf 476 Seiten verkaufte Howard Marks sein Leben als Großdealer in einer Autobiografie (erschienen 1996) und verwertete sein hochkriminelles Leben zum Buch, das auch Film wurde. Damit überschritt er ein zweites Mal Grenzen, über die er wenig nachdachte.
(Foto: Buchsammlung Oswald 1090)

Der eigentliche Skandal ist aber, dass man als „Stargast“ diese Jahr Howard Marks einlud. Für die, die es nicht wissen: Der Brite hat ein Buch geschrieben. Der Herausgeber hat es 2004 gekauft und ansatzweise gelesen. Bis zu eine Million Mal soll sich die Autobiographie verkauft haben, die 1996 das Licht der Welt erblickte. Davor saß Marks zehn Jahre in Gefängnissen, hauptsächlich in den USA. Er soll in den 1970er und 1980er Jahren zwanzig Jahre lang die westliche Welt mit Haschisch versorgt haben, das er aus Pakistan nach England und in die USA importierte. Die Süddeutsche Zeitung schrieb über ihn: „Der dreisteste Drogendealer der Welt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere benutzte Howard Marks 43 falsche Namen, hatte 89 Telefonanschlüsse und besaß 25 Tarnfirmen in der ganzen Welt.“ Die TAZ schrieb: „Auf dem Zenit seiner Karriere schmuggelte er Lieferungen von bis zu 50 Tonnen rund um die Welt. Einer der größten Gangster dieses Jahrhunderts.“

Schönfärbereien

Natürlich wird Marks immer auch Doktor der Philosophie, Kumpan von Mick Jagger und John Lennon, „liebenswerter, intellektueller Pazifist“ (FAZ), „nicht nur ein dreister Dealer, sondern der Märtyrer der Haschischraucher“ (Spiegel 53/98) sein. Das mag alles sein und stimmen.

Die Symbolkraft der Messeveranstalter der diesjährigen „Hanfmesse“ ist aber fatal: Man lädt einen Weltenbummler und Star der Haschisch-Szene nach Wien ein und lässt ihn drei Tage „aus der Schule“ plaudern. Inklusive Autogrammstunde. Was wird er erzählen? Dass man dem Gift abschwört? Das sicher nicht.

Insider der Kifferszene referieren über ihre Leib-Themen.
(Programm Hanf-Kongress)

Daneben gibt es einen Kongress, in dem unter anderem über Frühwarnsysteme gesprochen wird. Allerdings nicht solche, wie man erkennt, ob man suchtgefährdet ist, sondern solche rund ums Strafrecht. Zum „Ablauf eines Strafverfahrens“ referiert ein gewisser Arthur Machac. Nun, darüber kann man sich kostenlos am Landesgericht Wien täglich schlau machen. Dort sitzt der Herausgeber dieser Seite aber immer nur alleine als Zuhörer. Ein gewisser Jiri X. Dolezal gibt über Einser-Thema der Kiffer-Szene nähere Auskunft: „Neues Marihuana-Gesetz in Tschechien“. Ein Christian Rätsch philosophiert über „Hanf im Schamanismus“.

Immerhin hält sich der Veranstalter an Gesetze: „Jugendliche unter 18 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen.“

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Web: Hanfmesse 2010 (Wien)

Marcus J. Oswald (Ressort: Messen, Suchtgifte – stoffgebunden, Cannabis)

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